Berliner Stadtentwicklung: Neustart mit Kommunikationskonzepten

Mit einer Fachtagung suchte die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung „Leitlinien für die Planung neuer und ergänzender Stadtquartiere – grün und urban”

Um es vorweg zu sagen: Vor über 20 Jahren war Baupolitik in Berlin schon einmal weiter: Da diskutierte man Entwicklungsmodelle auf internationaler Ebene und zwar mit jenen Leuten, die aktuell interessante Projekte realisierten. Dazu zählten auch Developer und Banker, vor denen es keine Berührungsängste gab und natürlich Stadtplaner. Die berichteten von Baugruppen und kleinen Genossenschaften, die in von Entwicklungsgesellschaften gesetzten Rahmen sich an Stadterneuerung, Stadterweiterungen und gänzlich neuen Gartenstädten beteiligten mit dem Ziel, sich eine Wohnung, eine Nachbarschaft, eine eigene Welt zu erschaffen. Was könnte daran falsch sein? In Berlin hatten diese Diskussionen, sogar in Zeiten flauer Nachfrage, zu kleinen, bemerkenswerten Nachbarschaften geführt, zum Beispiel in der Rummelsburger Bucht.

Vor zehn Jahren war eine Förderung des Wohnungsbaus dann kein Thema mehr. Berlins Verwaltung wurde vom Finanzsenator geschrumpft und war sich selbst genug. So pfiffen Baugruppen und junge Genossenschaften auf den Staat und ließen ihre Projekte im Privaten erfolgreich sprießen. Tragisch dabei : Das Wissen um kooperative Entwicklungsmodelle, das sich vor allem in Berlin seit den frühen 80erJahren gebildet hatte, ging währenddessen in der Verwaltung verloren.

Es scheint, als hätten erst jetzt zwölf Millionen Touristen unterm Brandenburger Tor pro Jahr und jede Nacht Hunderte syrischer Flüchtlinge vor dem LAGeSo dem roten Rathaus klargemacht: Die Stadt ist gefragt wie selten zuvor. Der Zuzug reißt nicht ab. Es gibt keine freien Wohnungen. Die sozial Schwachen werden aus der Stadt gedrängt. Alarm!

Am 7. und 8. Dezember sollte im Forum Adlershof – guter Ort: ein Stadtteil, der Wissen schafft – das Gegenmittel gefunden werden. Es wurden gezielt 120 Teilnehmer zur Tagung eingeladen, eine Hälfte aus der Berliner Verwaltung, die andere Hälfte aus Institutionen und Unternehmen, mit denen die Verwaltung bereits zusammengearbeitet hat. Man kennt sich. Ein einziger „echter” Marktwirtschaftler, Henrik Thomsen von der Groth-Gruppe, spricht am ersten Tag über „Wohnungsbau in Berlin”. Was nicht ganz stimmt, denn das „Kirchsteigfeld”, über das er berichtet, liegt in Potsdam. Fertiggestellt wurde es vor siebzehn Jahren. – Uli Hellweg, ehemals Chef der Wasserstadt GmbH und dann Hamburgs IBA-Chef berichtet über Spandau und dann die Rummelsburger Bucht, die auch auf Grund ihrer kleinteiligeren Eigentumsstruktur sich letztendlich auf der stadtwirtschaftlichen Habenseite bilanzieren lässt.

Es sollte mit der Tagung die „Gartenstadt des 21. Jahrhunderts” definiert werden, von der möglichst bald mehrere außerhalb des S-Bahnrings, aber noch innerhalb der Landesgrenze wachsen sollen. Doch Landeskonservator Prof. Jörg Haspel präsentiert nicht, wie angekündigt, „die Gartenstadt nach E. Howard”, sondern Berlins Siedlungen der späten 20er Jahre und Wohnungsbauprojekte der Nachkriegs- und Neuzeit. Sollen die monofunktionalen Großsiedlungen mit ihrem “Abstandsgrün” tatsächlich das Vorbild für die Zukunft sein? Hätte Haspel aber den Gartenstadt-Theoretiker Ebenezer Howard präsentiert, hätten die Begriffe „Smokeless” und „Slumless” im Mittelpunkt gestanden: Eine industriekritische, dem handwerklich kleinteiligen Unikat zugewandte, frühe grüne Bewegung und ein sozialreformerischer Ansatz, die zusammen weit über das Städtebauliche hinausgehen und in einer Neuinterpretation sicher auch heute sozial orientierte Urbaniten ansprechen könnten.

Für jene gilt Freiburg als Modellstadt mit vielen guten Beispielen. Gut dreißig Jahre dauert dort mittlerweile die Entwicklung von Freiburg-Rieselfeld, einem Stadtteil für nunmehr 10.000 Einwohner, über den der frühere Planungsgruppenleiter Klaus Siegl berichtet. Konzept sind gemischte Eigentumsformen. Zehn Jahre Entwicklungszeit für einen Block sind normal. Das funktioniere nur, wenn die Politik auf einen einmal eingeschlagenen Weg keinen Einfluss mehr nehme.

Steffen Kercher vom Münchener Stadtplanungsreferat präsentiert das 20.000-Einwohner Entwicklungsgebiet Freiham. Die S-Bahn fährt bereits die zwölf Kilometer vom Stadtzentrum Richtung Westen dorthin. Es gibt schon einen Aussichtsturm und einen verabschiedeten B-Plan für erste 4.000 Wohnungen.

Aspern – Wiens neuste “Seestadt” führt Jakob Kastner von der „3420 Aspern Development AG” vor: Das ehemalige Flugfeld wirbt um Pioniere mit einem neuen See und einer U-Bahnhaltestelle. Die ersten Wohnungen sind bezogen, bis Ende nächsten Jahres sollen es 2.600 sein. Man plant bis 2028. Ein See als zentraler Identifikationspunkt erscheint ungewöhnlich für eine verdichtete Stadtentwicklung, bei der in der Regel das Zentrum ausstrahlen soll. Wobei hier der See mit Park als Attraktion fertiggestellt war, als die ersten Wohnungen bezogen wurden.

Drei Beispiele, die vor allem in den folgenden Diskussionen eins beleuchten: Berlin scheint so etwas nicht zu schaffen! In einer der Arbeitsgruppen am zweiten Tag fragt eine Teilnehmerin entgeistert, warum Freiburgs erfolgreiche Methoden der kleinteiligen Entwicklung nach dreißig Jahren noch nicht in Berlins Verwaltung angekommen seien? Der Vertreter einer großen städtischen Wohnungsbaugesellschaft am langen Konferenztisch wird unruhig: Hier wird in aller Unschuld die Existenzfrage gestellt, weil man doch gerade dabei ist, wieder Kapazitäten zu schaffen, die gerade große Fertigstellungszahlen garantieren sollen.

Und so werden mehrfach Mißverhältnisse zwischem stadtplanerischem Anspruch und Verwaltungswirklichkeit aufgedeckt: Neue Stadtbausteine in der Peripherie sollten sich an den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft orientieren, heißt es in einem Statement von Uli Hellweg, der eine der Arbeitsgruppen leitet: Urban Gardening, nachhaltige Energiewirtschaft und umweltfreundliche Mobilität werden weiter gefordert. Doch die Vertreter von Verwaltungen und städtischen Wohnungsbaugesellschaften meinen, sie könnten mit Gründächern keinen kostengünstigen Wohnraum schaffen. Das sei aber auch international „state of the art” wird eingewandt, man könne heute doch nicht wie in den 90er Jahren bauen. „Wie in den 80er Jahren!”, ergänzt empört eine Verwaltungsmitarbeiterin aus dem Umweltressort.

In zwei der drei Arbeitsgruppen wird diskutiert, ob man bei den Stadtergänzungen überhaupt von „Gartenstadt” reden dürfe, wenn es denn keine individuellen Gärten gäbe, was die Menschen bei der Nennung der Typologie aber erwarten würden. Man könne „Gartenstadt als Arbeitstitel” nutzen, meint Prof. Peter Slonicky, der mit Rainer Nagel die Gruppe zur städtebaulichen Qualität leitete, „wenn der Freiraum als konstituierendes Element garantiert” sei.

Die Kommunikation über die Entwicklungsprojekte wird in allen Gruppen als entscheidend für den Erfolg diskutiert. „Schon der erste Aufschlag zählt”, sagt Prof. Christa Reicher, die mit Uli Hellweg in einer Arbeitsgruppe „Lehren aus der Vergangenheit für Nachbarschaften und soziale Infrastruktur” zog. Immer wieder zitieren Verwaltungsmitarbeiter beim Stichwort Kommunikation ein „Quartiersmanagement” als hilfreich, wenn man den Menschen vor Ort begegne. Doch schon die Erwähnung jenes Managements lasse bei Standort-Interessierten Alarmglocken klingeln, meint ein anderer Teilnehmer: „Werden da Drogen gehandelt?” Es gibt weichere Formen des Sich-Kümmerns, ein „Quartiers-Bürgermeister” wird genannt. Die gute alte „Gemeinwesenarbeit” könnte eine Renaissance erleben.

Doch Kommunikation darf nicht erst einsetzen, wenn Probleme erkannt werden. Bundestiftung-Baukultur-Chef Rainer Nagel fordert vor dem Start neuer Quartiere eine Projektumfeldanalyse, ein integriertes Stadtentwicklungskonzept, eine Machbarkeitsstudie und ein Kommunikationskonzept. Vor allem das K-Konzept sei entscheidend, meint auch Prof. Harald Bodenschatz, als „Mehrwert-Check für jene, die schon am Standort da sind.” Auch Uli Hellweg erläutert, dass „Win-Win-Situationen” zu formulieren und zu kommunizieren seien, wenn die Stadterweiterungen überhaupt bei jenen, die im Umfeld wohnen, Akzeptanz finden sollen. Die Identifikation von unterschiedlichsten Zielgruppen, das Erkennen ihrer jeweiligen Bedürfnisse und Ansprüche und deren Umsetzung in Planung von Infrastruktur und Stadtquartieren seien Voraussetzungen für den Erfolg. Seit 25 Jahren hat urbanPR viele solcher Kommunikationskonzepte für große und kleine Stadterweiterungen erarbeitet und umgesetzt. Es sind dabei immer lebendige und nachgefragte Quartiere entstanden.

Ein Dilemma: Politik und Verwaltungen können aus ihrer Fürsorgepflicht für die gesamte Kommune keine solche auf Abgrenzung, Unterscheidung, letztlich Konkurrenz zielenden Kommunikationskonzepte für zu entwickelnde Räume erarbeiten und umsetzen. So fordert Rainer Nagel eine „integrierte Gesamt-Projektverantwortung durch Entwicklungsträger”. Und mit denen hat Berlin – unter dem Strich – bereits gute Erfahrungen gemacht.

Wohnen und Arbeiten von Jürgen Mayer H. in Jena

Jürgen Mayer-H in Jena

Nicht in Berlin, sondern in Jena gelingt Jürgen Mayer H. mit der Zentrale der Wohnungsgenossenschaft Carl Zeiss ein innerstädtisches mischgenutztes Ensemble, das auch dem BauNetz die Sprache verschlägt, wenn es „Sonniges Schwarz-Weiß” titelt. Die Fotos von David Franck zeigen einen Ort, bei dem man sich „plötzlich in einem Schwarz-Weiß-Film wähnt”. Hiermit ist Jürgen Mayer H. ein Blick in die Zukunft der Architektur gelungen, die er im Beitrag vom März 2013 beschreibt. Während sich in den Gebäuden Büros, Geschäfte und Wohnungen mischen, wird die Anlage im Gefüge der Umgebung zu einer Passage, welche die Stadt neu erschließt und den Passanten neue ästhetische Erfahrungen machen lässt.

Jürgen Mayer H. in Jena2

Unwirtlichkeit, Version 2.0

„Mietpreisbremse” ist das aktuelle Reizwort, wenn über Stadtentwicklung in Deutschland diskutiert wird. Einerseits gab es mit 45 Quadratmetern pro Kopf nie zuvor mehr Wohnraum in Deutschland, dessen Qualität besser ist als je zuvor, andererseits wird geklagt über zu hohe Mieten. Doch die Mietsteigerungen sind im Schnitt der letzten 15 Jahre sogar unter dem Inflationsniveau geblieben. Also alles nur eine falsche Wahrnehmung, die letztlich zu gesetzlichen Regelungen führte, über deren Wirkung noch niemand urteilen kann? Schlimmer noch: Sind die Mietpreisspiegel, die den Angelpunkt für die Bremse darstellen sollen „unwissenschaftlich”, möglicherweise zwischen Interessengruppen ausbaldowert worden, wie das Amtsgericht Charlottenburg urteilte? In Berlin tritt die Mietpreisbremse am 1. Juni in Kraft. Man kann Wetten abschließen, ob es Tage oder Wochen dauert, bis die erste Klage eines Vermieters gegen die Bremse eingereicht werden wird.

Das Unwohlsein an der Stadtentwicklung in Deutschland macht sich an München, Hamburg und Berlin fest. „Die Innenstädte werden von Gutverdienern erobert”, kommentierte die Grünen-Abgeordnete Katrin-Göring-Eckardt. Sie riet zu „Leitplanken, um die soziale Mischung zu erhalten”. Bei CDU, SPD und Linke gab es ähnliche Forderungen. Die FDP lehnte Mietpreisdeckelungen ab. Dafür seien „Klimaschutz und Energieeinsparung zentrale Handlungsfelder. Wir wollen Wohnen energieeffizienter machen und den CO2-Ausstoß wirksam und dauerhaft senken.” Das unterschreiben auch alle anderen Parteien. Und doch haben wir jetzt „Mietpreisbremse” und „Bestellerprinzip”. Der Berliner Senat wendet die Bestimmungen ab 1. Juni an. Dass das helfen werde, glauben wenige und so ist in Berlin eine Gruppe von Mieterschützern angetreten, die zur Abgeordnetenhauswahl 2016 über einen „Berliner Mieten Volksentscheid” abstimmen lassen will. Dabei geht es um die Schaffung eines Wohnraumförderfonds, die Umwandlung der städtischen Wohnungsbaugesellschaften in Anstalten öffentlichen Rechts sowie die Gestaltung der Miethöhe öffentlich geförderter Wohnungen in Abhängigkeit vom Einkommen der Mieter.

Da ginge es dann ans Eingemachte, und der Finanzsenator sieht künftigen Spielraum schwinden. Letztendlich führen fast alle Maßnahmen, welche die Kosten des Wohnens umverteilen wollen, zu einer Zementierung der Situation zu Gunsten jener, die heute eine Wohnung haben. Umzüge finden in nachgefragten Gegenden nur noch selten statt. Stadtentwicklung, die auf demografischen und wirtschaftlichen Wandel reagieren müsste, lässt sich so nicht sinnvoll betreiben. Und es läuft schon sehr lange nicht mehr gut in deutschen Städten.

Margret und Alexander Mitscherlich beklagten bereits 1965 „Die Unwirtlichkeit unserer Städte” in der Bundesrepublik. Während Städte früher integrierte Lebens- und Arbeitsräume geboten hätten, wären sie inzwischen„funktionell entmischt”: Nicht erst seit dem Bau von Trabantenstädten seien Wohnen und Arbeiten auf verschiedene Stadtteile aufgeteilt. Wer es sich leisten könne, kaufe ein Stück Natur und ziehe aufs Land. In der Vorortvilla sahen Mitscherlichs die „Demonstration der monetären Potenz” einer einzelnen Familie.- Heute zeugen Town- oder Penthouses mit PKW-Aufzug von der wirtschaftlichen Überlegenheit ihrer Bewohner.

Nur hatte die funktionale Entmischung doch eigentlich gar nichts mit den Wohnverhältnissen zu tun. Sie ist quasi als Kollateralschaden des massenhaften Wohnungsbaus „passiert”. Die Mitscherlichs hatten die europäische Stadt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Referenz vor Augen: Boulevards gesäumt von fünf- bis sechsgeschossigen Häusern, in denen auf Straßenniveau Läden sind, Kanzleien und Praxen im ersten Geschoss, hinter der Tordurchfahrt im Hof Handwerker und Händler, darüber die Seitenflügel der großen Wohnungen aus dem Vorderhaus und schließlich in Hinterhöfen kleinere bis kleinste Wohnungen. Ganz hinten gab es vielleicht auch noch einen Kuhstall, einen so genannten Abmelkbetrieb. In Berlin haben die letzten dieser urbanen Agrarbetriebe erst Ende der 70er Jahre des 20. Jh. geschlossen.

Im Grunde wurden in der Stadtentwicklung angesichts tatsächlich unzumutbarer Zustände und einer Sprachlosigkeit zwischen den sozialen Milieus, in gut demokratischer Manier die Interessen geordnet und gebündelt. Und zwar in einer Weise, dass wirklich jede Interessengruppe gefördert wurde. Aber die unzumutbaren Zustände wurden nicht verbessert, es wurden keine Kompromisse ausgehandelt. Es wurden gegenseitige Störungen durch Emissionen oder Betriebsabläufe einfach eliminiert: Einzelhandel kam zu Einzelhandel, Kanzlei zu Kanzlei, Handwerk zu Handwerk. Und wenn Lebensmittelproduktion möglichst weit weg von arbeitenden und wohnenden Menschen geschieht, dann erhält sie heute ein BIO-Zertifikat. Zurück blieben Menschen in reinen „Wohnvierteln” der klein-, mittel- oder großbürgerlichen Art.

Für das Fördern der Gruppeninteressen ist der Begriff der „Solidarität” von essentieller Bedeutung. Der Soziologe Richard Sennett beschreibt in seinem Buch „Zusammenarbeit – Was unsere Gesellschaft zusammenhält” die zentrifugalen Kräfte der dialektischen Erklärungsmuster, mit denen man Gruppen formen und gegeneinander aufstellen kann. In der Stadtentwicklung nennt sich das „Segregation”. Mit dialogischen Mustern dagegen erreiche man Ziele, wie jene der „Kooperation”, die im überschaubaren gesellschaftlichen Rahmen ertragreichere und nachhaltigere Ergebnisse mit sich bringen können. Da wären wir wieder bei der verdichteten, integrierten Stadt, in der die Zustände durch Dialog verbessert werden könnten.

Das allgemein geäusserte Unwohlsein am Status quo der Stadtentwicklung in Mitteleuropa heute basiert auf der Erkenntnis, dass die räumlichen Trennungen von urbanen Funktionen und sozialen Gruppen mit enormen Kosten hinsichtlich Land- und Ressourcenverbrauch, Verkehrs- und CO2-Belastungen einhergehen. Unsere Städte könnten Wachstums- und Innovationsmotoren sein, wenn sie nur im kooperativen Sinne funktionieren würden. Doch jegliche Reparaturversuche mittels Wohnraumförderung oder Wohnungs-Regulierungen gehen wieder nur in Richtung der Befriedigung von Klientelen mit der Folge weiterer Segregation.

Gibt es also ein Modell, das „zukunftsfest” ist? In Jonas Geist und Klaus Kürvers dreibändigen Standardwerk über „Das Berliner Mietshaus” werden die gegen Ende des 19. Jh. gängigen Rentenmodelle aus verdichtetem und gemischten Wohnen und Arbeiten als ein durchaus erträgliches und nachhaltiges Unternehmenskonzept beschrieben.

Wenn sich langfristig Renditen zwischen drei und vier Prozent erwirtschaften ließen, müssten solche Modelle für Anlagemöglichkeiten suchendes Kapital etwa der Lebensversicherer interessant sein. Was fehlt, sind einerseits private und kommunale Wohnungsunternehmen sowie Genossenschaften, die sich auf gemischte Projekte einlassen und eine Bauleitplanung der Städte andererseits, welche die gemischten Formen fordert. Gefordert, aber auch weiterhin gefördert werden müssten alle Maßnahmen, die zur langfristigen Senkung der vom Wohnen ausgehenden Kohlendioxid-Belastungen sowie zur Senkung der Energiekosten der Bewohner beitragen. Dienstleister wie die Berliner Energieagentur beweisen, wie sinnvoll Außenflächen von Gebäuden für Photovoltaik genutzt und in Verbindung mit kleinen Blockheizkraftwerken gewinnbringend zum Energiehaushalt der Kommunen beitragen können.

In Berlin gibt es seit April ein „Modell der kooperativen Baulandentwicklung”, das als Leitlinie für den Abschluss städtebaulicher Verträge 25 Prozent der neu entstehenden Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindungen versehen will. Noch ist kein solcher Vertrag geschlossen worden.
In Düsseldorf hingegen gibt es seit 2013 ein Konzept, nach dem Neubauprojekte, die auf einem Bebauungsplan basieren, 20 Prozent sozial geförderte Wohnungen enthalten. Außerdem wird den Bauherren für weitere 20 Prozent der Wohnungen eine preisgedämpfte Kaltmiete verordnet. Deren Preis wird für zehn Jahre, indexiert mit der Inflationsrate, festgeschrieben.

Vorstellbar wäre es doch aber auch, weitere 20 Prozent der Flächen für Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen festzuschreiben. Blieben immerhin noch 40 Prozent für luxuriöses Wohnen. Das Gewerbe könnte sich natürlich auch auf das Wohnen ausrichten: Servicedienste, Pflegedienstleister, Kindertagesstätten, Gastronomie. Bewirtschaftete Appartements für die kurzzeitige Vermietung (Airbnb!) sind denkbar, mit einem Concierge, der auch für das gehobene Wohnen als Kümmerer zuständig ist. – Vorstellbar wäre, die Installation von Energie erzeugenden Anlagen festzuschreiben und damit gleichzeitig auch die Installation von Ladesäulen für das E-Car-Sharing. So werden wieder einige Stellplätze überflüssig, Flächen, die in die Grünbilanz eingerechnet werden könnten, wenn auf ihnen professionelles urban farming betrieben wird. Das ist kein zukunftsfernes Ökotopia, alle diese Beispiele sind in Europa an verschiedenen Orten bereits wirtschaftlich tragfähige Realitäten.

Was die Entwicklung bremst, sind Wohnungswirtschaft und Wohnungspolitik, für die Verwaltung und Erhaltung sogenannt bewährter Handlungsmuster im Vordergrund stehen. Für Kooperation mit innovativen Dienstleistern, mit Baugruppen oder auch einem privaten Bauherren, der sich ein „Rentenhaus” bauen will, fehlt das Personal. Der Politik fehlt der Mut, den Stadtbewohnern auch erklären zu müssen, dass sie in den vergangenen 60 Jahren ihre Städte in eine Sackgasse manövriert hat. Aber weiterhin werden vollmundig 6,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter gefordert, während die Neubaukosten vielerorts 11 Euro zur logischen Folge haben.

„Werft die Politiker aus den Wohnungen” titelte trotzig die FAZ am 8. März, über jene Entscheider, welche die Voraussetzungen für Kostensteigerungen geschaffen haben: In allen Bundesländern wurde die Grunderwerbsteuer angehoben. Die sogenannten Anpassungen der Energieeinsparverordnung EnEv erreichen mit vervielfachten Kosten eine wenige Prozent höhere Einsparung an CO2-Emissionen, Investitionen, die sich auch in Jahrzehnten nicht rechnen. Das Grundsteuersystem trägt ebenfalls zur Steigerung der Mietpreise bei. Schließlich wurden die Abschreibungsmöglichkeiten der Bauherren auf zwei Prozent gesenkt. Sinnvoll wären vier Prozent, wenn private Investitionen gewollt sind. Ganz zu schweigen von Stellplatzverordnungen in Stadtgebieten, die mit dem PKW oft schon nicht mehr erreichbar sind. Zumindest in diesem Punkt verzichtet Berlin auf unsinnig kostentreibende „Wohnungsausstattungen”.

Nach Ansicht des Mieterbundes müssen jährlich 400.000 Wohnungen neu gebaut werden. Die Prognosen der Bundesregierung seien viel zu niedrig, sie berücksichtigten nicht den wachsenden Zustrom von Flüchtlingen und den Trend zu kleineren Haushalten. Die Bundesregierung stützt sich auf Untersuchungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Dieses hatte ursprünglich kalkuliert, dass der Neubau von 185.000 Wohnungen in den Jahren 2016 bis 2020 ausreichend sein würde. Zuletzt hatte das Institut seine Prognose nach oben korrigiert. Nun glauben die Experten, dass zwischen 2015 und 2020 jährlich 272.000 Wohnungen neu gebaut werden müssen. Der GdW, Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, fordert jährlich 320.000 neue Wohnungen.

Man stelle sich das vor: Jedes Jahr zwanzig neue Trabantensiedlungen wie in den siebziger Jahren? Und zwar nicht verteilt über das ganze Land, sondern an den wenigen Hotspots der Wohnungsnachfrage, während andernorts im „Wolfserwartungsland” die Infrastrukturen gekappt werden. Das wäre die Unwirtlichkeit unserer Städte als Programm, Version 2.0, also nichts gelernt.

Es gibt viele Wege, die neue „Wohnungsfrage” und eine Stadtentwicklung, die diesen Namen verdient, gemeinsam voranzubringen: Kleine Projekte zuerst, kleine technische Infrastrukturen, Vielfalt vor Uniformität, Bauhandwerk vor Bauindustrie und vor allem eine große Mischung aus Funktionen und Qualitäten.

Wie Online-Kommunikation Favelas gesellschaftsfähig macht

Dunkel und minus 4 Grad kalt war es am 22. Januar abends in der Berliner Schumannstraße, wo das Gebäude der Heinrich-Böll-Siftung steht. Sonnig und 34 Grad warm war es zur selben Zeit in der Favela Rocinha in Rio de Janeiro, aus der Marina Moreira, Michel und Michele Silva https://www.facebook.com/VivaRocinha #favelasonline in der Böll-Stiftung sowie Tiago Bastos aus der Complexo do Alemao über Twitter in den Saal mit etwa 80 Interessierten kommunizierten. Die waren gekommen, um mehr über den Wandel durch das Internet in den Armenvierteln von Rio de Janeiro zu erfahren. Die Journalistinnen Sonja Peteranderl und Julia Jaroschewski hatten 2013 in der Favela Rocinha gewohnt, die Lebensbedingungen und die Veränderungen beobachtet, nachdem die Unidade de Policia Pacificadora, die „Befriedungspolizei” UPP sich dort festgesetzt und die bis dato herrschenden Drogenhändler veranlassten, sich zumindest von den Straßen und Gassen zurückzuziehen. „Man sieht sie nicht mehr, aber sie sind noch da, man spricht nicht darüber”, erklärte Sonja Peteranderl. Es wird in Rio viel diskutiert, ob die „Schmusepolizei” lediglich zur Befriedung der um die touristisch relevanten Regionen Rios gelegenen 200 Favelas anlässlich der Fußball-WM eingesetzt wurden, während 800 weitere Favelas weiter sich selbst, beziehungsweise den Drogengangstern überlassen bleiben. http://buzzingcities.net/

Mit der UPP drangen auch die Internetprovider in die bis dahin auf Karten als „Morro”, also „Berg” bezeichneten Armenviertel Rios ein, die gut ein Viertel der Bewohner der Stadt behausen. Mit Sonderkonditionen wie Tagestarifen gelang es den Gesellschaften, schnell eine Vernetzung von über 75 Prozent der vorwiegend jungen Bewohner der Favelas zu generieren. Das mobilie Telefon ist der vorwiegende Netzzugang. „G3 funktioniert nur selten” twitterte Tiagi Bastos, „W-Lan in vielen Häusern” ist die Lösung. Die neue Kommunikationsinfrastruktur wurde alsbald von einer neuen Generation von Onlinejournalisten genutzt, zu denen auch die verbundenen Twitterer zählen. Sie kommunizieren den Alltag aus den Favelas zu deren Bewohner, aber natürlich auch zu jenen Einwohnern Rios, für welche die Favelas als gefährliche Orte galten, die man nicht aufsucht. So tauchen Berichte aus den und über die Favelas zunehmend in den etablierten Medien auf. Die Favela-Journalisten vertreten dabei durchaus die Interessen der Bewohner. Als im Juli der Mauerer Amarildo de Sonza nach einer Verhaftung durch die UPP verschwunden blieb, berichteten die Favela-Journalisten, forderten Aufklärung, organisierten öffentlichen Druck und erreichten schließlich eine Untersuchung, bei der festgestellt wurde, dass Amarildo gefoltert wurde, an den Folgen starb und die Leiche beseitigt worden war. Zwei Dutzend Polizisten der UPP wurden angeklagt, der Chef der UPP-Rocinha musste gehen.

Ein Wiki-Mapa-Projekt mit sechzehn Reportern arbeitet an der virtuellen Verortung der Favelas. Die Wikireporter sind zwischen 16 und 25 Jahre alt, internetaffine Jugendliche und junge Erwachsene, die einem dreitägigen Workshop lernen mit dem Handy Fotos aufzunehmen und Videos zu produzieren, mit der Wikimapa-Webseite und der App umzugehen, mit der sie Fotos und Informationen aus den Favelas verorten. Die virtuellen Karten sollen nicht nur den Blick von außen verändern, sondern wirken auch nach innen: Die Favelabewohner entdecken vieles, was sie selbst noch nicht kannten – und manche Geschäftsinhaber hoffen, dass der Eintrag kostenlose Werbung für sie ist. (http://favelawatchblog.com)

Und in der Tat werden kleine Gewerbe, Handwerker, Händler, Dienstleister und Restaurants sichtbar, erzeugen auf Gemeinschafts- oder eigenen facebook-Seiten Aufmerksamkeit für ihre Angebote. Dies zieht wiederum potenzielle Kunden an, die vorher die Favelas noch nie betreten hatten. So kann man aktuell beobachten, wie durch die Online-Kommunikation ein dynamischer Markt entsteht.
Nur lässt der neue Markt sich nicht auf folkloristische Nieschen beschränken: Schon ist von einer Gentrifizierung der größten Favela Rocinha die Rede. Zuerst wurden Übernachtungsmöglichkeiten mit Blick auf die Strände angeboten. Dann wurden erste Favela-Grundstücke gehandelt. Hostels entstanden. In einem Artikel für die WELT beschrieb Julia Jaroschewski das spekulative Geschäft http://www.welt.de/wirtschaft/article122750372/Auslaender-gentrifizieren-die-brasilianischen-Favelas.html

Bei Favelabewohnern, die beobachten, dass sich die Drogengangs jetzt bewusst ruhig verhalten, besteht die Angst, dass nach WM und Olympia die Kriminalität wieder Oberhand gewinnen könnte. Andererseits setzen die neuen Kommunikationsmöglichkeiten viel neue Kreativität frei, die den Wandel beschleunigen wird. Das bedeutet aber nicht, dass die Favelabewohner nun zu ausschließlich produktiven Krawattenträgern würden. Mit der Onlinekommunikation entstand zum Beispiel auch eine neue gemeinschaftliche Ausdrucksform: der Rolenzinho. Dabei besuchen Jugendliche teure Einkaufszentren nicht zum Einkaufen, sondern, um Atmosphäre zu geniessen und sich selbst darzustellen. Das Wort Rolenzinho ist nicht übersetzbar. Die Twitterer aus Rio berichteten auch hier schon wieder von Differenzierung: „Rolenzinho für Arme ist Arrastao (Tumult am Strand, um etwas im Chaos zu klauen), Rolenzinho für Reiche ist Flashmob.” Wie das am Strand aussieht, zeigt ein Video vom November: http://youtu.be/VRn6CDwAZp0

Twitter-Dialog Berlin-Rio an die Wand gebeamt

Twitter-Dialog Berlin-Rio an die Wand gebeamt

Die Architekten, der Kalbsfond und die Wohnungswirtschaft.– Eine wichtige Raumfrage.

Mehrere Zehntausend Wohnungen werden in den nächsten Jahren allein in Berlin gebaut werden. Die Politik fordert erschwingliche Mietpreise dort, wo sie direkt, durch Grundstücke oder erweiterte Baurechte fördert. Wo kann man also den Wohnungsbau rationalisieren? Zur Zeit läuft die Meinungsbildung unter Architekten in die Richtung, doch einfach das Produkt „Wohnung” neu zu definieren: Funktionen zusammenlegen, Flächen sparen. Konkret steht die abgeschlossene Küche auf dem Spiel. Was haben wir zu verlieren?

Mitte Dezember gab es im Tagesspiegel eine Doppelseite zum Thema, wie sich die Vorstellungen der Deutschen und der großstädtischen Berliner vom Wohnen entwickeln. Die Frage ist wichtig für die Immobilienwirtschaft, Planer und Architekten, wenn sie nicht am Markt vorbei produzieren wollen. Es ging in dem Artikel nicht um die 700 Quadratmeter großen Dachgeschosswohnungen am Gendarmenmarkt, auch nicht um YOO und LUX und weitere die Edelprodukte ab 5.000 Euro pro Quadratmeter.
Siehe http://www.tagesspiegel.de/berlin/staedtebau-in-berlin-wie-die-menschen-in-zukunft-leben-wollen/9217506.html

Eine Bilderkollektion zum Artikel war mit „Eine Küche wie Wohnzimmer” betitelt und gab dann diesen „starcken” Einrichtungstipp:Starck-Wohnküche
Ist das nun Philippe Starcks interaktives Kochbuchregal oder gleich eine Wohnküche? Ist dort eine blubbernde Bolognese vorstellbar, während der Spaghettitopf daneben gerade überkocht? Zum Artikel hatte Anna Pataczek auch ein Interview mit Christine Edmaier geführt, der Präsidentin der Berliner Architektenkammer. Sie geht davon aus, dass man innerstädtisches Wohnen bezahlen kann, wenn man Räume weglässt: Zum Beispiel Flur und Küche. Das würde teure Fläche sparen, aber Qualitäten erhalten.

„Man möchte zunehmend keine abgeschlossenen Küchen mehr, also Wohnzimmer und Küche und Esszimmer sind ein großer Raum. Das wird auch schon seit ein paar Jahren so gemacht – nicht nur im hochpreisigen Segment.” Siehe http://www.tagesspiegel.de/zeitung/interview-mit-christine-edmaier-wozu-brauchen-wir-so-viel-platz/9217504.html

Eine schlimme Perspektive
Eine schlimme Perspektive: Nie wieder Entrecote in der Grillpfanne garen? Nie wieder Lammkoteletts mit Knoblauch in Olivenöl sautieren? Keinen Oktopus mehr kochen? Nie wieder über Nacht aus Gemüsen und Kalbsknochen einen Fond köcheln lassen? Das ist alles nicht mehr drin bei „offenen” Küchen.

Denn die starken Aromen von Rind, Lamm, Meeresfrüchten oder Ausdünstungen langwieriger Kochvorgänge – vom unnötigen Frittieren mal ganz abgesehen – diese Aromen penetrieren gut in Polster, Textilien und Wandputz, vermischen sich zu einem Parfum, das vor allem auf eins keine Lust macht: In diesen Räumen noch einmal genussvoll zu essen. Denn Voraussetzung für Genuss ist Differenzieren können, also eine Geruchs- und Geschmacks-Neutralität der unmittelbaren Umgebung.

Warum gibt es denn das Wort „Küche”, das einen Raum mit Funktion bezeichnet? Weil dort unter anderen klimatischen Bedingungen als einem behaglichen Wohnklima agiert werden muss! „Neben ihrer reinen Funktion als Ort der Zubereitung von Nahrung, ist die Küche im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte immer wieder ein bestimmendes Element der Entwicklung von Wohnformen und Abbild gesellschaftlicher Strukturen gewesen”, liest man bei Wikipedia. Ja sicher, ich erinnere mich an die 80er Jahre und die langen Nächte in der Gemeinschaftsküche der Ufa-Kommune in der Tempelhofer Viktoriastraße. Obwohl es viele Köche gab, auch Feinschmecker, die „draußen” nichts ausließen, war das Essen dort bestenfalls Ernährung. Wo soll auch die Konzentration für einen kulinarisch-schöpferischen Prozess herkommen, wenn um den auf Inspiration Hoffenden zwanzig andere hungrig herumwieseln?
Lindenhof
Auf dem Foto ist die vor einigen Jahren restaurierte Gartenstadt-Wohnung im Schöneberger Lindenhof abgebildet, deren Zentrum eine (durch Türen zu Bad, Flur und Wohnzimmer abgetrennte) Wohnküche ist. Die räumlichen und funktionalen Zusammenhänge, die Martin Wagner 1918 hier geplant hatte, waren in einer Wohnung über Jahrzehnte erhalten geblieben. Der heutige Genossenschaftsvorstand Norbert Reinelt hat eine Möblierung entworfen, die den alten Funktionen entspricht. Von der Küche aus gibt es einen direkten Zugang zum Selbstversorger-Garten. Dorthin wird man durch die Nasszelle geleitet, wo man Erde vom Gemüse abspülen kann.

1926, Martin Wagner hatte gerade die Hufeisensiedlung gebaut, wurde er Stadtbaurat von Groß-Berlin und war somit für die Großsiedlungen verantwortlich: „Stätten glücklicher Muße” sollten es werden. Zum UNESCO-Weltkulturerbe haben sie es zumindest gebracht; im selben Jahr wurde die „Frankfurter Küche” im Rahmen des Projekts „Neues Frankfurt” des Wagner-Kollegen Ernst May durch die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entworfen. Ziel war, die Handlungsabläufe in der Küche zu rationalisieren und das Arbeiten zu vereinfachen. Die Frankfurter Küche sollte wie ein industrieller Arbeitsplatz gestaltet sein: Alle wichtigen Dinge sollten mit einem Handgriff erreichbar sein und eine Vielzahl von Gerätschaften sollen Arbeitsgänge verkürzen. Um die Forderung der schnellen Erreichbarkeit zu erfüllen, ist sie sehr kompakt gehalten, was den Erfordernissen der ersten Entwürfe des Massenwohnungsbaus entgegenkam.Frankfurterkueche
Die engen Platzverhältnisse der kleinen Wohnungen des Geschosswohnungsbaus der 1920er Jahre ließen keine konventionellen, also frei stehenden Küchenmöbel zu, wie sie in Einzelhäusern üblich waren. Die Küchen waren für ganze Gebäude einheitliche Maßanfertigungen. Es sollte die gesamte Funktionalität einer „großen“ Küche auf minimalem Raum von sechs bis acht Quadratmetern konzentriert werden. Die einzelnen Arbeitszentren sind so angeordnet, dass unnötige Bewegungen und Handgriffe vermieden werden. Ab 1928 lieferte der Tischlereibetrieb von Friedemir Poggenpohl so genannte „Reformküchen” deutschlandweit aus, die halbwegs massiv, sich durch „Zehner-Schleiflack“-Oberflächen auszeichneten.

Die reformierte Frankfurter Wohnungsküche hatte ihre Auswirkungen auch auf die Küchen der Gastronomie, allerdings mit der Verzögerung durch den zweiten Weltkrieg und die Wirtschaftswunderzeit: Wurde noch in den 60er Jahren in großen Sälen gekocht, wo man von Station zu Station hin und her lief, machte sich in den 70ern die Idee der kurzen Wege, des Zugriffs in Reichweite zunächst in den Küchen von APO- und Stundentenkneipen breit. Heute sind die kurzen Wege Standard in den Sterneküchen. Von 15 bis 30 Quadratmetern lassen sich Restaurants mit 60 Plätzen á la Minute beschicken. Im Bild Sonja Frühsammer, Aufsteigerin des Jahres der FAZ-Kritiker, in ihrer relativ kleinen Küche am Flinsberger Platz in Wilmersdorf.Sonja_Frühsammer_kl

Vom Kochen in der Wohnmaschine…
Kaum ein Gourmet und auch keine Franzose, sondern ein Schweizer, Charles-Édouard Jeanneret-Gris, der sich Le Corbusier nannte, machte sich daran, die Küche zum Kochen abzuschaffen. In seinen Unités d’habitation in Marseille, Nantes, Berlin und Firminy legte er die Küchenfunktion in den Wohnungen nach innen an den Versorgungsschacht, der auch eine Belüftung enthielt. le-corbusier-haus
Ich habe einige Jahre in so einer Wohnung am Berliner Reichssportfeld gelebt. Der Ausblick war umwerfend. Dieser Kasten ist die Küche, noch mit Originalausstattung von 1958. Wenn man aktiv kocht, muss man die Milchglasscheibe vorschieben und die Tür schließen. Man hat dann zwei Quadratmeter Bewegungsfreiheit. Bei niedrigem Luftdruck funktioniert der Luft-Austausch über den Lüftungsschacht nur bedingt: Es gelingt, vielleicht ein Spiegelei zu braten. Danach ist Schluss. Schiebefenster und Tür öffnen? Wohn- und Schlafzimmer bedämpfen? Dann lieber Essen gehen, war oft das Fazit!

Und das soll auch 55 Jahre später der Weisheit letzter Schluss sein? Gut, es wurde die Dunstabzugshaube erfunden. Aber ich kenne keine, die auch nur ein mittelgroßes Entrecote auf der Eisenpfanne bewältigen könnte.

…bis zur Kultur des Teilens
„Die Immobilienbranche hat noch nicht erkannt, dass sich Wohnbedürfnisse grundlegend wandeln”, sagt Franziska Steinle von Mathias Horx’ Frankfurter „Zukunftsinstitut”. Das Beratungs- und Trendforschungsunternehmen formuliert in einem Bericht zu erwartende Veränderungen: Dezentrales Wohnen setze sich zunehmend durch. „Die Wohnung bleibt der Kern, neue, ausgelagerte Bereiche kommen hinzu.” Beispiele dafür lassen sich heute schon finden: Kreative und Selbstständige sparen sich ihr Arbeitszimmer zu Hause und mieten einen Schreibtisch in einem Co-Working-Büro. Überhaupt kann man sich dank einer sich entwickelnden Kultur des Teilens immer mehr sparen – nicht nur das eigene Auto, sondern vielleicht sogar eine geräumige Küche. „Uns hat überrascht, wie stark der Gedanke der Shareconomy, also die Idee des Teilens und Tauschen, auch das Wohnen betrifft. Wer Gäste bewirten möchte, kann sich heute hierfür eine Küche inklusive Leihkoch mieten”, umschreibt Franziska Steinle ihr Küchen-Bashing.

Anzeige aus Wallpaper*, Ausgabe Dezember 2013

Anzeige aus Wallpaper*, Ausgabe Dezember 2013

Jene können sich ja dann auch von Bulthaup ausstatten lassen. Das Unternehmen zeigt hier in Wallpaper Referenzen entsprechender „High End Immobilen”. Da beansprucht allein die „offene Küche” die Fläche von drei Zwei-Zimmer-Wohnungen. Und ob in solchen Millionenprojekten jemals ein Bewohner kochen wird, ist mehr als zweifelhaft. Fastfood und gut organisierte Belieferung durch so genannte „Versorger” zählen mit zu diesem Ernährungssystem, das von der Architektur bis zur Instant-Zwiebelsuppe reicht.

Esskultur, Demokratisierung des Luxus oder Sieg des Rationalisierungsdenkens?
Die Folgen der „Offenen”-Küche-Bewegung sind der Verlust von Esskultur, die doch gerade seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland wieder Boden gewinnt.
Warum gibt es denn in den Städten die „urban gardening”-Bewegungen? Man wird selbst aktiv, man hat direkten Kontakt mit Erde und Natur. Man entscheidet selbst, wann man erntet, ob man feinere Qualität oder mehr Ertrag bevorzugt. Man hat soziale Kontakte, die sich vielleicht auch auf’s Kochen erstrecken. Vorausgesetzt man hat eine leistungsfähige, geschlossene und außen liegende Küche.

Ich habe – nicht repräsentativ – einige Architekten befragt, ob sie für sich selbst offene oder abgeschlossene Küchen bevorzugen? Die Abstimmung ging 50:50 aus. Wobei jene mit offener Küche bekannten, nun nicht mehr nach Lust und Laune kochen zu können. Eine wirklich leistungsfähige Abzugshaube für den Privatbereich gebe es leider nicht. Dafür würde man mehr im Garten grillen. Jene, die sich für die geschlossene Variante entschieden haben, führten weitere Vorteile auf: Man könne benutzte Töpfe und schmutziges Geschirr auch mal stehen lassen und sich trotzdem nebenan wohlfühlen. Man könne frittieren und grillen, müsse dafür eben nur das Fenster öffnen.

Ist alles zu spät? Verlässliche Daten zur Küchenfrage gibt es nicht. Hoffnung machen einige Angaben in der GdW-Studie „Wohntrends 2030”: Nicht einmal finanziell klamme Studenten fühlten sich in Kleinstwohnungen mit Kochnische wohl. Eine große Küche wünschten sich viele, eine offene eher wenige: Das sind vor allem diejenigen, die sich einen großen Wohnraum leisten können. So folgert der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen für die Anforderungen an die Wohnungen der Zukunft: „Wohnungen bieten aber auch wichtige Rückzugsmöglichkeiten, wenn einem die Anforderungen und Möglichkeiten der Welt draußen über den Kopf wachsen. Klare Grundrisse sowie natürliche und schlichte Materialien ermöglichen eine Erholung der Sinne.” Hoffnungsvoll wenden sich die Blicke derjenigen, die noch selbst kochen zur Wohnungswirtschaft. Wird sie auf die so genannte Innovation aus „dem hochpreisigen Segment” verfallen, vielleicht noch verbrämt als „Demokratisierung des Luxus”, oder wird sie dem robusteren Modell der Wohnung mit abgeschlossener Küche weiter den Vorzug geben?

Wenn es ums Geld geht, was bei funktionalen Immobilien ganz besonders der Fall ist, spricht viel dafür, dass Rationalisierungsdenken die Oberhand gewinnen wird. Irgendwann ist man dann bei einer Kaffeemaschinen-Mikrowellenkombinations-Dampfgarerkiste mit Geschirrspüler und Kühlbox angekommen, die nur einen Quadratmeter benötigt. Praktisch. Preisgünstig. Und gar nicht gut!

Wachsende Stadt bittet um „Investorenkultur”

In der ehemaligen Abflughalle des Flughafen Tempelhof wurden eine Bühne aufgebaut und Stühle in Reih und Glied gestellt für eine weitere „Standortkonferenz Tempelhofer Freiheit”. Ein hohes Stockwerk darüber, im ehemaligen Flughafenrestaurant, diskutierten derweil etwa 80 Mitglieder des ULI (Urban Land Institute) aus allen Ecken Europas bei einem Urban Leader Forum über diese schwer verständliche Boomstadt Berlin. Die Merheit der ULI-Mitglieder sind CEOs der Wohnungswirtschaft – vulgo Investoren – ein kleinerer Teil sind leitende Kommunalbeamte und Planer, und so diskutierte man abschließend, ob die Städte, gemeint war aber Berlin, eine neue „Investorenkultur” brauchen würden. Die kommunale Seite wurde von Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und dem Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Hans Panhoff, vertreten.

Während Lüscher die Perspektiven des Wachstums der Stadt beschrieb und Planungsansätze für neue soziale und funktionale Mischung als Anreiz für einen „neuen Typ von Investor” anpries, mochte sich der Baustadrat dem so nicht stellen, hatte schon „Bauchschmerzen bei städtebaulichen Verträgen”, die als Bestechung bei der Vergabe von Grundstücken und Baurechten interpretiert werden könnten. Werde neu gebaut, stiegen die Preise im Kiez und es würde die angestammte Bevölkerung verdrängt durch die dann insgesamt Jüngeren und Besserverdienenden. „Aber die wollen ihre Kinder dann auch in eine Schule schicken, die wir aber nicht haben”, argumentierte Panhoff. – Also besser keine Entwicklung im Kiez? Der Baustadtrat formulierte ein „Jein”, so dass Frank Billard, Vorstand von Union Investment Real Estate mit Gefasstheit fragte, „Investorenkultur ist dann also, wenn man einen Kindergarten ohne Bedingungen schenkt?”

Der Versuch, Bezirke wie Kreuzberg vor Zuzug und Nachfrage abschotten zu wollen, sei sinnlos, meinte Michael Spies, Europachef von TishmanSpeyer aus London mit einem Jahrzehnt Berlin-Erfahrung, das Spannende hier ergäbe sich gerade aus dem Druck und dem ständigen Wandel. Verglichen mit München, Frankfurt und Hamburg ist Berlin eine arme Stadt, die größte Ressource seien die jungen Menschen, die nach Berlin zögen, meinte Jean-François Ott, Chef von ORCO-Germany, und dadurch werde die Stadt mittelfristig aufholen, aber sich lange noch nicht den Miet- und Quadratmeterpreisen von München und Hamburg annähern, die im europäischen Vergleich noch im Mittelfeld liegen.

Die Blicke der Teilnehmer schweiften immer wieder aus dem Ex-Restaurant über das weite Tempelhofer Feld, auf dem sich in der Dämmerung drei oder vier Spaziergänger ausmachen ließen. Greg Ward, Direktor der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft von Edinburgh, wiegte den Kopf, „das ist drei Mal der Central Park von New York, und hier ist mit dem leeren Flughafen der größte Baukörper Europas. Wo ist Euer Problem?” Dass eine Landesbibliothek gleich nebenan neu gebaut werden soll, konnte der Schotte überhaupt nicht verstehen. Sei Berlin denn nun arm oder reich? Fehlten Architekten, die eine solche Bibliothek im Flughafen unterbringen könnten? Warum gibt es keine jungen Unternehmen, die in den übrigen Gebäuden arbeiten? Warum werden keine Wohnungen hier rund um einen verbleibenden Central Park gebaut? Wohnen, Arbeiten, Freizeit, alles sei hier an einem Ort realisierbar, man bräuchte kein Auto. Verdrängen würden die neuen Bewohner lediglich das Nichts…

Beim Verlassen der Veranstaltung werden in der Abflughalle die Mikrofone für die Standortkonferenz eingepegelt, „One, two, one, two, eins, eins eins…”. Nach vielen Jahren der Beobachtung der Berliner Kommunalpolitik wächst in mir die Überzeugung, dass man hier nicht in der Lage ist, eins und eins zusammenzuzählen: Junge und qualifizierte Menschen drängen in die Stadt, wollen hier arbeiten und wohnen. Wer hier wohnt und arbeitet und konsumiert, zahlt vielfältigste Steuern. Da kommen schon vom Wanderungssaldo eines Jahres sehr große Summen zusammen, für die man locker eine Handvoll Schulen und Kindergärten bauen kann. Doch „Die Auseinandersetzungen um das Tempelhofer Feld nehmen an Schärfe zu”, berichtet heute „Der Tagesspiegel” über die Standortkonferenz. Von 4.500 Wohnungen ist die Rede. Die würden nicht mal für die Zuwanderung eines Jahres reichen. Und von der neuen Landesbibliothek ist die Rede, aber nicht von den existierenden Flughafengebäuden. Eins und eins macht hier noch immer: Nichts!

Metropolenarchipel im Wolfserwartungsland

„Wolfserwartungsland”, sagte Manfred Kühn, der das  Projekt Regenerierung von Städten am IRS in Erkner bei Berlin leitet und erntete Beifall für die überspitzte, aber heute bereits denkbare Entwicklungsperspektive für ländliche Räume, aus denen sich auch die Landwirte zurückgezogen haben. „Schrumpfende Regionen – Wachsende Städte, gibt es neue Perspektiven im demografischen Wandel?” wurde in der Heinrich-Böll-Stiftung in der vergangenen Woche gefragt.

Kunzmann_2011Wir erleben beide Phänomene gleichzeitig, gerade in der Berliner Region oft nur zehn Kilometer voneinander entfernt. Das Problem ist immer, dass Menschen aus ihrer angestammten Umgehung fortziehen müssen, weil sie zum Beispiel verdrängt werden von Wohnungssuchenden, die gern das Doppelte an Miete bezahlen als sie selbst bezahlen können. Meist werden sie aus den Innenstädten an den Stadtrand verdrängt, wo in den 60er und 70er Jahren vielgeschossige Wohnsiedlungen entstanden waren. Oder sie müssen aus einer grünen und ursprünglichen Landschaft in eben diese Stadtrandsilos umziehen, weil es auf dem Land niemand mehr gibt, der sie versorgt, kein Arzt, der im Notfall hilft, in Gegenden, wo schon wieder erste Wolfsrudel gesichtet wurden. Beide Effekte nennen sich „soziale Segregation”, das Zerlegen der Gesellschaft in jene Gruppen, die sich was leisten können und solche, die das nicht können. Das Bild der Landschaft, der Dörfer und Städte verändert sich dadurch.

„Wolfserwartungsland will natürlich niemand”, sagt auch Petra Klug, die bei der Bertelsmannstiftung das Projekt LebensWerte Kommunen managt und setzt dem ein „regrowing smaller” entgegen. Sie zielt damit auch auf Kommunen wie Erkner, das schrumpft, obwohl es ans Berliner S-Bahnsystem angebunden ist. Warum profitiert Erkner nicht vom Wachstum der Metropole in der Mark Brandenburg, die in den nächsten 15 Jahren noch einmal um eine Viertelmillion Einwohner wachsen wird? Potsdam im Südwesten Berlins hat überdurchschnittliche Wachstumsraten. „Familienfreundlichkeit” sei ein Schlüssel, sagt Petra Klug. Eine „interkommunale Vernetzung” besonders in Bereichen Bildung und Gesundheitswesen, seien weitere Maßnahmen, um in ländlichen Regionen der Abstimmung mit den Füßen Einhalt zu gebieten. Eine Vernetzung mit Berlin aber ist für Erkner praktisch nicht möglich. Die gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg ist im letzten Jahrzehnt an nicht kompatiblen Schnittstellen von Berliner Bezirken und Brandenburgischen Landkreisen praktisch gescheitert: Kindergarteneinzugsgebiete waren schließlich kein Thema für die Landesregierungen, die sich schon bei Überflugrouten lieber gegenseitig ausstechen.

In einen größeren Maßstab rückt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katja Dörner, Mitglied im Haushaltsausschuss das Phänomen von gleichzeitiger Schrumpfung und Wachstum – für 2014 wird für die Bundesrepublik ein Wachstumssaldo von 400.000 Menschen prognostiziert! – Es gehe um „Anpassungen”: Das Bundesministerium für Landwirtschaft müsse sich endlich auch für Stadtentwicklung im ländlichen Raum zuständig erklären, so wie jenes für Bau und Verkehr zuständige Stadtentwicklungsministerium sich auch für urbane Infrastrukturen in ländlichen Räumen zu interessieren habe. In Norwegen, wo die Räume noch weitaus dünner besiedelt sind, funktioniert das schließlich auch: Für Stipendien verpflichten sich junge Ärzte auf’s dünn besiedelte Land. Und für Schüler, die auf’s Gymnasium gehen, werden Internats-Lösungen angeboten. So bleibt auf dem Land ein demografisches Gleichgewicht erhalten, weil niemand zur Flucht gezwungen wird.

Bei den Anpassungen solle es aber nicht um einen Status quo gehen, wird Einigkeit erzielt, es müsse etwas wirklich Neues entstehen. So wird in der Mittagspause unter Teilnehmern etwas andiskutiert, das sich wie das Universal Design in der Architektur – die Nutzbarkeit von Gebäuden für alle menschlichen Lebensphasen –  auf die Raumentwicklung im gesamten Land bezieht: Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse auf einem kleinen gemeinsamen Nenner beinhaltet Breitbandverkabelung, Bildungsangebote über das Internet, medizinische Grundversorgung durch Krankenschwestern und ärztliche Ferndiagnostik, die Dezentralisierung von Infrastrukturen von Energie und Wasser.

In der Arbeitsgruppe zu den wachsenden Städten stellte Rainer Danielzyk, Geschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung den Begriff der Reurbanisierung der Kernstädte in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Reurbanisierung werde begünstigt durch Individualisierung und stadtaffine Lebensstile der wirtschaftlich aktiven Bevölkerungsgruppen. Allerdings gibt es dieses Wachstum praktisch nur in Universitäts- und Fachhochschulstädten. Dort ist weiterhin auch eine Familienzuwanderung zu verzeichnen sowie ein Wachstum durch Migration. Das sei das Ideal der „Europäischen Stadt”, das Danielzyk mit einer Grafik von Klaus R. Kunzmann illustrierte.

Alles gehört dazu, zum „Archipel der europäischen Stadtregion”, das gentrifizierte Stadtquartier wie das Quartier des kreativen Prekariats, das zur nächsten Gentrifizierung ansteht, während sich das Hochsicherheits-Arcadia zwischen Freizeit- und Gesundheitskomplexen ansiedelt. Die Frage ist nur, wie weit man diese Funktionen herunterskalieren kann, ob sie auch innerhalb eines Stadtviertels funktionieren könnten?

Die Stadtplanerin Franziska Eichstädt-Bohlig, die das Thema der lebenswerten Großstadt seit den 70er Jahren bereits auf allen politischen Ebenen durchdekliniert hat, stellte fünf Kriterien auf, die ein Wachstum nicht zum k.o.-Kriterium für breite Einwohnerschichten werden lassen: Erstens müsse die Stadt bezahlbar bleiben, besonders als Wohnort. – Zweitens: Mischung von Nutzungen und sozialen Gruppen. Nur so erreiche man das Bild einer europäischen Stadt und nicht ein Konglomerat von Siedlungen. Dichte und Durchgrünung, private Freiflächen und Möbel, sprich Bänke im öffentlichen Raum. – Drittens: Eine „Self-Made-City” mit Planungsverfahren, welche eine Eigentümer- und eine Nutzungsmischung begünstigen. Eigeninitiative, Selbsthilfe und Baugruppen seine zu fördern, urban gardening in seinen vielfältigen Erscheinungsformen sei zu fördern. – Viertens: Integration und sozialer Zusammenhalt sind zu stärken. – Fünftens: Als dauernde Aufgabe sind die Infrastrukturen immer wieder anzupassen. Bildungswesen, Gesundheitswesen, gemeinschaftliche Wohnformen müssten flexibel im Gebäudebestand wachsen und schrumpfen können. Neue Betrachtungsweisen jenseits von Ressortgrenzen wären dafür notwendig.

Berlin mit 54,3 Prozent Singlehaushalten, nur noch16,7 Prozent klassische Familienhaushalte mit drei und mehr Mitgliedern sowie ein Migrationshintergrund bei 27,4 Prozent der Haushalte hat gar keine andere Möglichkeit als diese Andersartigkeit als Chance zu begreifen und das Neue auszuprobieren.

Wer führt die Städte aus der Sackgasse?

Die großen Städte in Deutschland stecken tief in der Zukunftskrise – und sie merken es teilweise noch nicht einmal. Oder sie hoffen, die Krise mit Mitteln bekämpfen zu können, die sich seit 60 Jahren eigentlich nicht wirklich bewährt haben, sondern im Gegenteil, die Krise durch Funktionsverluste und Segregation erst herbeiführten. Zu diskutieren ist jetzt ein Neuansatz in der Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik, der sowohl Altbewährtes und Vergessenes als auch Innovatives einschließt.

Berliner Liste – Mieter*innen stressen zurück” ist ein Blog betitelt, auf dem seit April 2013 Adressen von Eigentümern, Investoren, Projektentwicklern, Hausverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften, Justiz und Polizei, Politik sowie Unterstützer, Lobbyisten und Think Tanks aufgeführt sind, die „ungestört zusammenarbeiten” um ihr „verhältnismäßig sicheres Geschäft” zu betreiben. „Die Eigentümer werden immer reicher, da sie mehr Miete verlangen, und den Menschen mit geringen Einkommen bleibt noch weniger als ohnehin schon. Das Recht auf Eigentum ist in der kapitalistischen Stadt wichtiger als das Recht auf Wohnen”, schreiben die Aktivisten ohne Impressum. Immer häufiger zerbrechen Fensterscheiben, klatschen Farbbeutel an Fassaden oder brennt es bei den aufgeführten Adressen. Der Staatsschutz ermittelt.

„Die Innenstädte werden von Gutverdienern erobert”, kommentiert die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin-Göring-Eckardt im Tagesspiegel Ende Juli 2013. Sie rät zu „Leitplanken, um die soziale Mischung zu erhalten”: Mietsteigerungen sollen „flächendeckend” auf 15 Prozent innerhalb von vier Jahren beschränkt werden. Die Wohnraumförderung solle, wo es sie noch gibt, zweckgebunden für bezahlbaren Wohnraum ausgegeben werden, und das Wohngeld müsse der Verdrängung von Menschen mit geringeren Einkommen entgegenwirken. Bei CDU, SPD und Linke gibt es ähnliche Forderungen. Die FDP lehnt Mietpreisdeckelungen ab. Dafür seien „Klimaschutz und Energieeinsparung zentrale Handlungsfelder. Wir wollen Wohnen energieeffizienter machen und den CO2-Ausstoß wirksam und dauerhaft senken.” Das unterschreiben auch alle anderen Parteien. Allerdings werden diese Konzepte die „stressenden Mieter*innen” wohl nicht versöhnen…

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in den 1920er-Jahren in vielen deutschen Städten neue Siedlungen, die insbesondere Bevölkerungsgruppen mit kleinem Einkommen ein gesundes Wohnumfeld bieten sollten. Einige berühmte Beispiele finden sich in Berlin, etwa der Lindenhof in Schöneberg, die Hufeisensiedlung im Stadtteil Britz oder die Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg. Letztere sind heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Siedlungen der Berliner Moderne”. Beim Projekt Neues Frankfurt unter der Leitung von Ernst May wurde der soziale Wohnungsbau mit einer Erneuerung der Wohnkultur verknüpft.

Aus einer Tradition der Wohnungsreform und des öffentlichen Wohnungsbaus der Weimarer Republik entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Entwicklungsstränge: Ein staatlicher Massenwohnungsbau in der DDR, der über drei Qualitätsperioden vom Bauen in der Nationalen Tradition (1950er Jahre) über eine Phase der internationalen Moderne (1960er Jahre) zum massenhaften Plattenbau in Neubaugebieten und den Innenstädten führte, und der soziale Wohnungsbau der Bundesrepublik, der von Anfang an durch ein Nebeneinander von Miet- und Genossenschaftswohnungen und der Förderung des Wohnungseigentums für die laut Gesetz beschriebenen Gruppen gekennzeichnet war. Für den Mietwohnungsbau, der anfangs als Lückenschließung von Kriegsbrachen, später aus Neubau auf der Grünen Wiese und seit den 1970er Jahren auch als Ersatzneubau in Stadterneuerungsgebieten durchgeführt wurde, waren anfangs städtische Gesellschaften die wichtigsten Akteure; sie übernahmen eine wichtige stadt- und sozialpolitische Rolle. Seit den 1980er Jahren wurden die Länderprogramme zunehmend für private Investoren geöffnet.

Margret und Alexander Mitscherlich beklagten bereits 1965 „Die Unwirtlichkeit unserer Städte” in der Bundesrepublik. Während Städte früher integrierte Lebens- und Arbeitsräume geboten hätten, wären sie inzwischen „funktionell entmischt”: Nicht erst seit dem Bau von Trabantenstädten seien Wohnen und Arbeiten auf verschiedene Stadtteile aufgeteilt. Wer es sich leisten könne, kaufe ein Stück Natur und ziehe aufs Land. In der Vorortvilla sahen Mitscherlichs die “Demonstration der monetären Potenz” einer einzelnen Familie. -
Heute zeugen Town- oder Penthouses mit PKW-Aufzug von der wirtschaftlichen Überlegenheit ihrer Bewohner.

Nur hatte die funktionale Entmischung doch eigentlich gar nichts mit den Wohnverhältnissen zu tun. Sie ist quasi als Kollateralschaden des massenhaften Wohnungsbaus „passiert”. Die Mitscherlichs hatten die europäische Stadt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Referenz vor Augen: Boulevards gesäumt von fünf- bis sechsgeschossigen Häusern, in denen auf Straßenniveau Läden sind, Kanzleien und Praxen im ersten Geschoss, hinter der Tordurchfahrt im Hof Handwerker und Händler, darüber die Seitenflügel der großen Wohnungen aus dem Vorderhaus und schließlich in Hinterhöfen kleinere bis kleinste Wohnungen. Ganz hinten gab es vielleicht auch noch einen Kuhstall, einen so genannten Abmelkbetrieb. In Berlin haben die letzten dieser urbanen Agrarbetriebe erst Ende der 70er Jahre des 20. Jh. geschlossen.

Im Grunde wurden in der Stadtentwicklung angesichts tatsächlich unzumutbarer Zustände und einer Sprachlosigkeit zwischen den sozialen Milieus, in gut demokratischer Manier, die Interessen geordnet und gebündelt. Und zwar in einer Weise, dass wirklich jede Interessengruppe gefördert wurde. Aber die unzumutbaren Zustände wurden nicht verbessert, es wurden keine Kompromisse ausgehandelt. Es wurden gegenseitige Störungen durch Emissionen oder Betriebsabläufe einfach eliminiert: Einzelhandel kam zu Einzelhandel, Kanzlei zu Kanzlei, Handwerk zu Handwerk. Und wenn Lebensmittelproduktion möglichst weit weg von arbeitenden und wohnenden Menschen geschieht, dann erhält sie heute ein BIO-Zertifikat. Zurück blieben Menschen in reinen „Wohnvierteln” der klein-, mittel- oder großbürgerlichen Art

Für das Fördern der Gruppeninteressen ist der Begriff der „Solidarität” von essentieller Bedeutung. Der Soziologe Richard Sennett beschreibt in seinem jüngsten Buch „Zusammenarbeit – Was unsere Gesellschaft zusammenhält” die zentrifugalen Kräfte der dialektischen Erklärungsmuster, mit denen man Gruppen formen und gegeneinander aufstellen kann. In der Stadtentwicklung nennt sich das „Segregation”. Mit dialogischen Mustern dagegen erreiche man Ziele, wie jene der „Kooperation”, die im überschaubaren gesellschaftlichen Rahmen ertragreichere und nachhaltigere Ergebnisse mit sich bringen können. Da wären wir wieder bei der verdichteten, integrierten Stadt, in der die Zustände durch Dialog verbessert werden könnten.

Das allgemein geäusserte Unwohlsein am Status quo der Stadtentwicklung in Mitteleuropa heute basiert auf der Erkenntnis, dass die räumlichen Trennungen von urbanen Funktionen und sozialen Gruppen mit enormen Kosten hinsichtlich Land- und Ressourcenverbrauch, Verkehrs- und CO2-Belastungen einhergehen. Unsere Städte könnten Wachstums- und Innovationsmotoren sein, wenn sie nur im kooperativen Sinne funktionieren würden. Doch jegliche Reparaturversuche mittels Wohnraumförderung oder Wohnungs-Regulierungen gehen wieder nur in Richtung der Befriedigung von Klientelen mit der Folge weiterer Segregation.

Gibt es also ein Modell, das „zukunftsfest” ist? In Jonas Geist und Klaus Kürvers dreibändigen Standardwerk über „Das Berliner Mietshaus” werden die gegen Ende des 19. Jh. gängigen Rentenmodelle aus verdichteten und gemischten Wohnen und Arbeiten als ein durchaus erträgliches und nachhaltiges Unternehmenskonzept beschrieben.

Wenn sich langfristig Renditen zwischen drei und vier Prozent erwirtschaften ließen, müssten solche Modelle für Anlagemöglichkeiten suchendes Kapital etwa der Lebensversicherer interessant sein. Was fehlt sind einerseits private und kommunale Wohnungsunternehmen sowie Genossenschaften, die sich auf gemischte Projekte einlassen und eine Bauleitplanung der Städte andererseits, welche die gemischten Formen fordert. Gefordert, aber auch weiterhin gefördert werden müssten alle Maßnahmen, die zur langfristigen Senkung der vom Wohnen ausgehenden Kohlendioxid-Belastungen sowie zur Senkung der Energiekosten der Bewohner beitragen. Dienstleister wie die Berliner Energieagentur beweisen, wie sinnvoll Aussenflächen von Gebäuden für Photovoltaik genutzt und in Verbindung mit kleinen Blockheizkraftwerken gewinnbringend zum Energiehaushalt der Kommunen beitragen können.

In Düsseldorf gibt es seit Kurzem ein Konzept, nach dem künftig alle Neubauprojekte, die auf einem Bebauungsplan basieren, 20 Prozent sozial geförderte Wohnungen enthalten. Außerdem soll den Bauherren für weitere 20 Prozent der Wohnungen eine preisgedämpfte Kaltmiete von maximal 8,50 Euro pro Quadratmeter verordnet werden. Der Preis soll für zehn Jahre, indexiert mit der Inflationsrate, festgeschrieben werden.

Vorstellbar wäre es, weitere 20 Prozent der Flächen für Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen festzuschreiben. Blieben immerhin noch 40 Prozent für luxuriöseres Wohnen. Das Gewerbe könnte sich natürlich auch auf das Wohnen ausrichten: Servicedienste, Pflegedienstleister, Kindertagesstätten, Gastronomie. Bewirtschaftete Appartements für die kurzzeitige Vermietung sind denkbar, mit einem Concierge, der auch für das gehobene Wohnen als Kümmerer zuständig ist. – Vorstellbar wäre, die Installation von Energie erzeugenden Anlagen festzuschreiben und damit gleichzeitig auch die Installation von Ladesäulen für das E-Car-Sharing. So werden wieder einige Stellplätze überflüssig, Flächen, die in die Grünbilanz eingerechnet werden könnten, wenn auf ihnen professionelles urban farming betrieben wird.

Das ist kein zukunftsfernes Ökotopia, alle diese Beispiele sind in Europa an verschiedenen Orten bereits wirtschaftlich tragfähige Realitäten. Was die Entwicklung bremst, sind Wohnungswirtschaft und Wohnungspolitik, für die Verwaltung und Erhaltung im Vordergrund stehen. Für Kooperation mit innovativen Dienstleistern fehlt das Personal. Der Politik fehlt der Mut, den Menschen auch erklären zu müssen, dass sie in den vergangenen 60 Jahren die Städte in eine Sackgasse manövriert hat.

 

Die Zukunft der Architektur – Jürgen Mayer H.

Jürgen Mayer H. in seinem Büro in der Berliner Knesebeckstraße vor einem Foto seines Metropol Parasol in Sevilla

Jürgen Mayer H. in seinem Büro in der Berliner Knesebeckstraße vor einem Foto seines Metropol Parasol in Sevilla

Architektenkollegen rümpfen schon mal die Nase, wenn die Rede auf Jürgen Mayer H. kommt. So auch in der neusten Ausgabe der Internet-Zeitschrift uncube , die in Zusammenarbeit mit den Machern von „Kultur:Stadt”, der Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste entstanden ist: Als inhaltsleere Hüllen werden jene Bauten in Spanien beschrieben, die in Folge von Frank Gehry’s Guggenheim Museum in Bilbao entstanden sind, das den „Bilbao-Effekt” auslöste. Mayers Schatten spendender Metropol Parasol in Sevilla hat zumindest einen eigenen „Sevilla-Effekt” ausgelöst. Der Architekt, dessen Entwürfe auf digitalen Zahlenmustern basieren, gibt im Video auf urbanPR TREND Auskunft über Motive und Wirkungen, über Wettbewerbe und Bauherren. Und er zeigt sich aufgeschlossen für die Gestaltung von Strukturen im öffentlichen Raum, die bisher nicht mit architektonischem Anspruch in Verbindung gebracht wurden: Tankstellen, Grenzkontrollstellen… Noch mehr ist denkbar, womit sich ein Fokus auf bisher unbeachtete Orte lenken lässt und Anlässe für Kommunikation schafft. – Mittlerweile wurde der Metropol Parasol als eines von fünf Bauwerken für den Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur / Mies-van-der-Rohe-Preis  nominiert, was  Schulterzucken bei hehren deutschen Architekturgrößen auslöst.  Das wiederum erinnert an den Protest von Kulturgrößen Frankreichs im Jahre1887 wie Charles Gounod, Alexandre Dumas und Guy de Maupassant gegen den Bau des Eiffelturms, durch den „alle unsere Monumente gedemütigt werden”. – Womit würden wir heute Paris identifizieren, wenn der Turm, wie geplant, nach 1909 wieder abgebaut worden wäre? – Jürgen Mayer H. sucht Bauherren mit „Neugier auf die Zukunft der Architektur”. Diese können nur gewinnen.

Gebäude-Image vom Weltmeister

Ken Schluchtmann-ArchitekturfotografDer Berliner Fotograf Ken Schluchtmann wurde im Herbst 2012 auf dem World Architecture Festival in Singapur zum besten Architektur-Fotografen gekürt. Sein Siegerbild indes entspricht nur wenig den bislang gerühmten Beispielen von Architekturfotografie, bei denen es galt, Immobilien immer im besten Licht zu zeigen. Auf Schluchtmanns Foto legt sich Nebel um das Rasthaus auf dem norwegischen Trollstigenplateau von Reiulf Ramstad Arkitekter AS. Das sei der Look, den er mit Partner Dirk Dähmlow als diephotodesigner.de seit über zehn Jahren für Automobile und Immobilien entwickelt hat. Im Video für urbanPR TREND spricht Ken Schluchtmann über Image, Zeitgeist und Freigeist, den Arbeitsprozess, die Zusammenarbeit mit Architekten und über Budgets für weltmeisterliche fotografische Images.- Weitere Informationen direkt von urbanPR.